Einladung zur Eröffnung der Ausstellung

Dunkel dem Auge, Licht dem Stift

Michaela Schleunung

Arbeiten auf Papier 1987-2020

Nur im Dunklen sieht man das Licht
(Hans-Peter Söder)

Es werde Licht. Licht war schon immer den Göttern vorbehalten. Sie leuchteten und dadurch wussten wir, wo wir hingehören: In den Schatten der Götter. Licht ist voller Zauber, aber es ist keine Zauberei. Der Zauber, dort im Licht, ist nicht sein Leuchten, es ist das Dunkle, welches durch das Licht aus dem Nichts erst erschaffen wird: ex nihilio fit! Nein, das Dunkle ist nicht die Schattenseite des Lichts, sondern die eigentliche Kraft, die die Welt im Inneren zusammenhält. Dass das so ist, ahnte Goethes Faust, Michaela Schleunung aber, weiß, dass es so ist. Ihre Arbeiten sind allesamt in Schwarzweiß. Aber diese selbst auferlegte Reduktion der Mittel bedeutet bei ihr nicht eine Reduktion der Wahrnehmung und des Empfindens. Von Reduktion kann hier nicht die Rede sein. Vielmehr geben uns ihre Zeichnungen den Eindruck als wäre man genau dort, wo gerade eine Sonne auseinanderbricht, um neue Welten zu kreieren. Da ein neuer Himmelsraum, dort ein Ausschnitt, wie ein Blick durch ein Mikroskop, und dann plötzlich, Millionen Jahre später, stehen wir vor einem Panorama des dort entstandenen Organischen. Die Kreide, die Kohle alleine schon, mit der sie seit Jahren lebt, haftet nicht nur ständig auf ihren Fingern, sondern auf ihrer Seele. Will man ihre Arbeiten mit einem Satz charakterisieren, könnte man sagen, dass es eine existentielle Beschäftigung mit dem Organischen ist. Was genau das Organische ist, das können uns die Philosophen nicht sagen, aber Michaela Schleunung kann es uns zeigen. Wir leben in einer Zeit in der alles entweder weiß oder schwarz; richtig oder falsch, ist. Die Mitte ist uns abhandengekommen. Michaela Schleunung zeigt uns wie es war, und wie es immer sein wird: Gelebt wird in der Mitte, im Grauen. Und wie schön und harmonisch grau sein kann, das zeigt sie uns jetzt in ihrer neuen Ausstellung.

Am Dienstag, den 13. Juli 2021
Ab 19:00 Uhr
Ausstellungsdauer: 13. Juli – 3. September 2021

Öffnungszeiten:
Di – Fr 14 – 18 Uhr
Sa 11 – 14 Uhr

Galerie Christoph Dürr
Gegründet 1963
Hübnerstr. 5
80637 München

Telefon: 089 / 129 39 92
Email: ch-duerr@galerie-ch-duerr.de
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